Erneut fand an der Lutherschule Hannover der sogenannte „Trialog“ in einer 9. Klasse statt – ein bundesweites multiperspektivisches Gesprächsformat, das von Shai Hoffmann und Jouanna Hassoun initiiert wurde.

Das Projekt entstand als Reaktion auf die gesellschaftlichen Spannungen und Polarisierungen nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sowie den darauffolgenden Entwicklungen im Nahostkonflikt. Ziel des Trialogs ist es, jungen Menschen einen geschützten Raum für Fragen, Gefühle, Unsicherheiten und Perspektiven zu bieten – gerade zu Themen, die häufig emotional aufgeladen sind und in sozialen Medien oft vereinfacht oder polarisiert dargestellt werden.

Im Februar 2025 durfte unsere Schule erstmals Teil dieses besonderen Projekts sein. Aufgrund der hohen Nachfrage stand die Schule rund 1,5 Jahre auf der Warteliste und freute sich daher sehr, dass der Trialog nun erneut stattfinden konnte.

Begleitet wurde der Austausch von den Workshopleiter:innen Nadine und Eran. Zu Beginn schufen beide bewusst einen sogenannten „Brave Space“ – einen Raum, in dem offen gesprochen, zugehört und unterschiedliche Meinungen respektvoll ausgehalten werden können. Gemeinsam wurden Regeln für eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre erarbeitet. Anschließend stellten sich sowohl die Workshopleiter:innen als auch die Schüler:innen gegenseitig vor.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Thema Perspektivwechsel. Mithilfe von Karteikarten setzten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit verschiedenen Emotionen auseinander und formulierten Adjektive, die sie unter anderem mit dem 7. Oktober verbanden. Dadurch entstanden intensive Gespräche über Gefühle wie Angst, Unsicherheit, Trauer, Wut oder Hilflosigkeit – aber auch über Empathie, Verständnis und Hoffnung.

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, wie wichtig Räume für offene Gespräche über Antisemitismus, Diskriminierung, gesellschaftliche Spannungen und demokratische Werte sind. Gerade Schule spielt hierbei eine zentrale Rolle: Demokratiebildung bedeutet nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch das Erlernen von Zuhören, Ambiguitätstoleranz, Perspektivübernahme und respektvoller Kommunikation. Projekte wie der Trialog leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Präventionsarbeit und zum demokratischen Miteinander.

Begleitet wurde der Trialog zudem von der Klassenlehrerin Frau Pohl sowie der Sonderpädagogin Mandy Schulz.

Am Ende des Projekts hatten die Schüler:innen die Möglichkeit, ihre Eindrücke und ihr Feedback zu äußern. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Viele Schüler:innen betonten, dass im schulischen Alltag zu selten über solch wichtige gesellschaftliche Themen gesprochen werde und man sich mehr Zeit für derartige Gespräche wünsche. Besonders hervorgehoben wurde die offene Atmosphäre, in der ehrliche Fragen gestellt und unterschiedliche Sichtweisen respektvoll diskutiert werden konnten. Viele Jugendliche äußerten zudem, dass sie durch den Trialog ein stärkeres Bewusstsein für die Komplexität der Thematik entwickelt hätten. Für die Schule sowie die Schüler:innen entstanden keinerlei Kosten, da das Projekt durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird.

Die Lutherschule Hannover bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten für diesen wichtigen und nachhaltigen Austausch.

(Text und Bild BA)