Im Juni 2026 durfte die Lutherschule gleich zweimal besondere Gäste begrüßen: Junge Künstler der Escuela de Comedia y Mimo aus Granada in Nicaragua waren zu Besuch und ermöglichten unseren Spanischlernenden spannende Einblicke in die Welt der Artistik, der Kultur und die gesellschaftliche Lebenswirklichkeit ihres Heimatlandes.
Eine besondere Vorstellung für die Jahrgänge 6 und 7
Am 25. Juni erlebten die Spanischlernenden der Jahrgänge 6 und 7 eine Vorstellung der Clown- und Artistenschule. Mit ihrer Mischung aus Comedy, Pantomime und Artistik brachten die jungen Künstlerinnen und Künstler das Publikum zum Staunen und Lachen. Die Aufführung bot einen lebendigen und unterhaltsamen Zugang zur spanischsprachigen Kultur und machte deutlich, wie Sprache und künstlerischer Ausdruck Menschen über Ländergrenzen hinweg verbinden können. Im Anschluss an die Vorstellung hatten unsere Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, zuvor im Unterricht vorbereiteten Fragen zu stellen – natürlich auf Spanisch. Dabei meisterten sie die kleine sprachliche Herausforderung mit beeindruckender Sicherheit und zeigten, wie viel sie bereits auf Spanisch ausdrücken können.
Hinter der Vorstellung steckt ein besonderes soziales Projekt: Die Escuela de Comedia y Mimo wurde 2001 gegründet und engagiert sich für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 13 Jahren aus sozial benachteiligten Familien in den ärmeren Vororten Granadas. Die Schule bietet ihnen nicht nur einen geschützten Ort und verlässliche Betreuung, sondern unterstützt sie auch ganz konkret im Alltag. Dazu gehören ein kostenloses Mittagessen, Hilfe bei den Hausaufgaben sowie zusätzliche Bildungsangebote wie Englischunterricht, Informatik, Kunst und Handwerk.
Finanziert wird die Arbeit ausschließlich durch Spenden. Eine wichtige Einnahmequelle sind die Auftritte der jungen Künstlerinnen und Künstler im Rahmen ihrer jährlichen Europatournee. Die Vorstellung an der Lutherschule war somit nicht nur ein kulturelles Erlebnis, sondern unterstützte zugleich die wertvolle soziale Arbeit der Einrichtung.
Politik, Gesellschaft und Kunst – ein Austausch mit dem Spanisch-Leistungskurs
Am 26. Juni stand für den Spanisch-Leistungskurs eine andere Form der Begegnung auf dem Programm. In einer Gesprächsrunde erhielten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, sich intensiv mit den jungen Künstlern auszutauschen und mehr über die gesellschaftliche und kulturelle Lebenswirklichkeit Nicaraguas zu erfahren.
Im Mittelpunkt standen die politische und soziale Situation des Landes sowie die Frage, welche Rolle Kunst und Kultur in einer Gesellschaft spielen können. Wie hängen gesellschaftliche Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen und künstlerischer Ausdruck zusammen? Welche Möglichkeiten bietet Kunst, Menschen zu erreichen, zum Nachdenken anzuregen und gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen?
Auf das Gespräch hatten sich die Schülerinnen und Schüler im Spanischunterricht intensiv vorbereitet. Sie beschäftigten sich mit der politischen und sozialen Situation Nicaraguas, analysierten aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und entwickelten eigene Fragen für das Gespräch mit den Künstlern. So konnten sie ihr im Unterricht erworbenes Wissen mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven aus erster Hand verbinden.
Besonders wertvoll war der unmittelbare Austausch: Die jungen Künstler berichteten von ihrem Alltag, ihrer Arbeit und den Möglichkeiten, die ihnen die Artistenschule eröffnet. So erhielten die Jugendlichen Einblicke in ein Land, das im Unterricht häufig zunächst anhand von Sachtexten und Statistiken erschlossen wird. Die persönliche Begegnung ermöglichte es, eigene Vorstellungen zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und u.a. über die Bedeutung von Kunst und kultureller Teilhabe miteinander ins Gespräch zu kommen.
Spanisch erleben – über den Unterricht hinaus
Beide Veranstaltungen haben auf unterschiedliche Weise gezeigt, wie lebendig und vielseitig Fremdsprachenunterricht sein kann. Während die jüngeren Schülerinnen und Schüler die kulturelle und künstlerische Seite der Begegnung erleben konnten, setzte sich der Leistungskurs vertieft mit den gesellschaftlichen Hintergründen und der Bedeutung des Projekts auseinander.
Spanisch wurde dabei nicht nur als Unterrichtsfach, sondern als Möglichkeit erfahrbar, Menschen und Lebenswelten kennenzulernen, neue Perspektiven zu gewinnen und über Ländergrenzen hinweg miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wir bedanken uns herzlich bei den jungen Künstlerinnen und Künstlern der Escuela de Comedia y Mimo für ihren Besuch, ihre beeindruckenden Darbietungen und die offenen Gespräche. Ein besonderer Dank gilt unserem Förderverein, der die beiden Veranstaltungen großzügig unterstützt und damit ermöglicht hat.
Text und Bild SE