Der 28. Juni 2018, Hauptbahnhof Hannover, 10 Schüler und zwei Lehrer. Unsere Woche begann damit, dass unser ICE nach Hamburg fast eine Stunde Verspätung hatte und wir gezwungen waren uns in der Zwischenzeit ein „Dance Battle“ einer Gruppe 12 und 13-Jähriger auf unserem Bahngleis anzusehen.

Als unser Zug dann endlich kam, waren alle schwer erleichtert. Unser Ziel? Die Stadt Lübeck in Schleswig-Holstein, wo wir die ganze nächste Woche unsere Zeit verbringen würden. Bei den Temperaturen von fast 30 Grad denkt man sich vielleicht, wir wären in den Urlaub gefahren: eine Klassenreise oder Ähnliches, um sich nach dem langen Schuljahr zu entspannen.

Weit gefehlt. Vom 29.05. bis zum 02.06. befanden wir uns, Schüler aus drei verschiedenen Klassenstufen auf einer Model United Nations Konferenz, genauer gesagt, bei MUNOL (Model United Nations of Lübeck). Die meisten werden sich jetzt fragen: Hä, was??

Also, was ist jetzt dieses MUNOL? Der Begriff Model United Nations (auch Model UN oder MUN) bezeichnet Simulationen für Schüler und Studenten, in denen die Arbeit der Vereinten Nationen nachgestellt wird. Einfach gesagt: Jede Gruppe bekommt ein Land zugewiesen, über das man sich im Vorfeld informieren muss, um es dann in verschiedenen Komitees und Kommissionen zu verschiedenen Themen in der offiziellen Sprache Englisch zu vertreten. Die ganze Konferenz wird von Schülern der Thomas-Mann-Schule in Lübeck organisiert und geleitet – die Lehrer stehen nur beratend zur Verfügung…

Die Vorbereitungen an unserer Schule liefen schon Monate zuvor in der Model United Nations AG von Herrn Mink. Hier lernen besonders die „First Timer“ (also Schüler, die zum ersten Mal dabei sind), wie wir Älteren sie so liebevoll nennen, wie man sein Position Paper schreibt, also einen Aufsatz, der die Position des eigenen Landes zu den Themen des jeweiligen Komitees detailliert und welches eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Konferenz darstellt. Die Arbeit in den Komitees besteht zum größten Teil aus der Debatte und bei MUN-Konferenzen ist diese Debatte besonders streng geregelt – den Umgang mit diesen Regeln lernen die Teilnehmer der Konferenz natürlich auch schon vorher in Mock Debates in der AG.

Wenn ihr interessiert seid und noch mehr darüber wissen wollt, empfehle ich euch unseren ersten Artikel zum Thema durchzulesen: MUNOL 2016

Aber genug Erklärung und mehr zur Konferenz selbst: Das Motto dieses Jahr war „Globalism – Connecting or Separating?“ Dieses Thema beschäftigt sich mit der Frage der Globalisierung, was sind deren Vorteile und wie sehen die Schattenseiten aus? Dieses Jahr, übrigens unser drittes Jahr in Folge bei dieser Konferenz, waren wir mit gleich vier Delegationen vertreten: Afrikanische Union, Kuba, Ukraine und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Unser erster richtiger Tag am Dienstag begann mit der Eröffnungszeremonie, wo die Botschafter aller Länder eine kurze Rede zum diesjährigen Thema halten mussten. Nach ungefähr 4 Stunden und mehr als 90 Botschafterreden und Reden von anderen wichtigen Persönlichkeiten war die Konferenz dann endlich offiziell eröffnet und die Komitees trafen sich in ihren jeweiligen Räumen der Thomas-Mann-Schule mit den anderen Delegierten, die sie schon am Tag zuvor bei einem sogenannten Komiteeabend kennengelernt hatten. Somit begann dann auch gleich die richtige Arbeit, denn wir begannen alle in Gruppen von vier bis fünf Ländern eine Resolution, also einen Lösungsvorschlag zu den bestimmten Problemen, zu verfassen. Diese Arbeit würde noch bis Mittwoch Mittag weitergeführt, doch danach begannen schon die Debatten, die bis zum Samstag reichen würden. In den

meisten Komitees wurde jedoch vorher noch eine Fun Debate veranstaltet, im Vierten Komitee aufgrund der hohen Temperaturen sogar draußen im Garten der Schule. Dort musste man dann nicht mehr das „House“ am Anfang seiner Reden adressieren, sondern den „Garden“. Das Thema der Fun Debate dieses Jahr war in den meisten Komitees der Delegiertentransport durch Dinosaurier und die Vorteile desselben. Doch dann wurde die Lage langsam ernst und die Komitees begannen sich mit wirklich wichtigen Themen wie Fracking, dem Ressourcenkonflikt zwischen Israel und Palästina oder den Menschenrechtsverletzungen in Myanmar zu befassen und verschiedene Resolutionen dazu zu debattieren.

Manche Komitees, wie zum Beispiel der Menschenrechtsrat oder die Umweltkommission, konnten bis zum Ende der Konferenz am Samstag den 02.06. noch weiterdebattieren, doch die ersten vier Komitees der General Assembly fanden sich ab Freitag in der Generalversammlung zusammen, um dort zusammen nochmal jeweils eine Resolution aus jedem Komitee zu debattieren. Dort waren wir mit drei von unseren vier Ländern vertreten und die Generalversammlung stellte auch eigentlich wieder das erste richtige Zusammentreffen der Delegierten unserer Schule dar, denn vorher hatte man sich durch die sehr lange (8 Stunden am Tag) und sehr intensive Arbeit in den Komitees kaum gesehen.

Die einzige Möglichkeit dafür bestand eigentlich nur auf den Partys, die fast jeden Abend stattfanden und oft bis in den späten Abend reichten. Bei der letzen Party der Woche, die lustigerweise auf einem Boot stattfand wurde sogar eine ganze Menge Feuerwerk gezündet um die Woche richtig abzurunden.

Doch ein Tag der Woche, der Donnerstag, war für die jeweiligen Schulgruppen bestimmt und wir fuhren als Lutheraner nach Travemünde, eine sehr schöne Küstenstadt an der Ostsee. Weil wir den ganzen Tag gearbeitet hatten, waren wir natürlich alle sehr hungrig und zusammen mit Herrn Mink und Frau Bauer begaben wir uns auf die Suche nach Fischbrötchen. Herr Mink hatte sich natürlich schon vorher im Internet zu den besten Fischbrötchen in Travemünde informiert, also liefen wir einmal quer durch Travemünde ans andere Ende der Stadt. Und wir hatten es schon vorausgesehen: Wehe, die sind schon zu! Geschlossen waren sie zwar noch nicht, aber durch die späte Abendstunde waren ihnen schon die Brötchen ausgegangen, also ging die Suche weiter. Auch dem nächsten Stand waren die Brötchen fast ausgegangen und die Gruppe war kurz davor einfach Herrn Mink zum Fischbrötchen zu machen, da fanden wir am Ende doch noch ein geöffnetes Lokal, welches sogar noch Brötchen hatte! Da hat Herr Mink noch einmal Glück gehabt!

Nach gutem Essen und einem kurzen Abkühlen am Strand ging es auch schon wieder zurück nach Lübeck, wo wir den Abend ausnahmsweise schon relativ früh um 22 Uhr beenden konnten.

Durch die Arbeit in den Kommissionen und Komitees haben wir alle viel gelernt, sowohl die First Timer als auch wir MUNOL Rentner, die das ganze schon zum dritten Mal seit Anbeginn der Zeit (2016) mitgemacht hatten. Auch wenn die Idee, eine Rede vor so vielen Leuten zu halten, zuerst einmal angsteinflößend klang, haben wir doch alle gelernt, dass „wenn man das Ganze einmal hinter sich hat, man eigentlich alles andere auch kann“ (Abby).

Doch wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören und genau das taten wir dann am Samstag auch. Nach der Closing Ceremony musste man sich von all seinen neuen Freunden aus aller Welt (insgesamt waren Delegationen aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Rumänien, der Türkei, Italien und sogar aus Taiwan dabei) verabschieden, mit denen man in dieser Woche eng zusammengewachsen war und dabei blieben natürlich nicht alle Augen trocken. Besonders für uns drei Abiturienten hatte das Ganze eine bittersüße Note: man war glücklich dabei gewesen zu sein, war sich aber auch klar, dass diese Konferenz das Ende unserer Schul-MUN Karriere bedeuten würde und man im nächsten Jahr nicht mehr die Möglichkeit haben würde wiederzukommen.

Deshalb will ich besonders noch ein letztes Mal meinen Dank aussprechen, Abby, Cara, Charlotte, Çılga, Fine, Gloria, Lara, Pia, Rachel: ihr wart die beste Delegation, die ich in all meinen Konferenzen je hatte und ich freue mich mit euch zusammen teilgenommen zu haben und ich wünsche den Jüngeren unter euch noch viel, viel Glück und Spaß in den nächsten Jahren!

Frau Bauer und Herr Mink: Vielen, vielen Dank, dass Sie das Ganze für uns möglich gemacht haben und ich könnte mir niemand anderen vorstellen, den ich lieber dabeigehabt hätte!

Fenja Engelmann, Jahrgang 12

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