Vertrieben durch den fluchenden, Bierdosen leerenden neuen Partner seiner Mutter, wählt der 16-jährige Link ein selbstbestimmtes Leben auf Londons Straßen. Hier findet er eine Art neues Zuhause, auch dank des optimistischen Ginger, der Link beibringt, wie man ohne feste Wohnstatt überlebt. Doch immer mehr junge Obdachlose, die die beiden kennengelernt haben, verschwinden spurlos, schließlich auch Ginger. Link macht sich auf die Suche nach ihnen….

Die Englische Theater-AG unter der Leitung von Michaele Meder und Julia Kampermann hat Links Geschichte beeindruckend lebendig und fesselnd auf die Bühne gebracht. An beiden Aufführungs­abenden (14. und 15. November) war die Aula mit zahlreichen Mitschülern, Angehörigen und Lehrern gut besucht. Verschiedene musikalische Live-Einlagen mit Keyboard, Klarinette und Gesang und am Mischpult geschickt produzierte Geräusche erzeugten eine Atmosphäre des Umherziehens im Großstadtgetriebe. Während Szenen der bürgerlichen, sicher situierten Gesellschaft auf der gewöhnlichen Bühne oben spielten, waren Links Familien- und Straßenerlebnisse und auch die kaltblütigen Morde des für „Ordnung” sorgenden Shelter hautnah mitzuerleben, nämlich auf einer mitten durchs Publikum verlaufenden Vorbühne. Dieses originelle Arrangement hatte zur Wirkung, dass die Zuschauer – gemeinsam mit Link – sich dem primitiven Gebrüll seines Stiefvaters entziehen wollten, sich von der geldgierigen Alten, die Link seine letzten finanziellen Reserven abluchst, bedrängt fühlten, dass sie den Absturz eines über die Bühne wankenden Betrunkenen fürchteten und beim eiskalten Vollzug eines Mordes zusammenzuckten. Doch nicht nur die exzentrischen Charaktere wurden eindringlich plastisch dargestellt, nein: bis hin zu den Mitbenutzern einer öffentlichen Männertoilette waren die Schauspielerinnen und Schauspieler hinter ihren Rollen fast nicht wiederzuerkennen. Vor dieser darstellerischen Leistung erschien die sprachliche Leistung fast selbstverständlich, obwohl sie natürlich genauso hohe Anerkennung verdient: die flüssige Textsicherheit, der ausgefeilte fremdsprachliche Akzent.

Gerade auch dieser sprachlichen Leistung zollte Herr Heinemann, nachdem er mit sichtlichem Vergnügen einmal selbst auf der Vorbühne durchs Publikum geschritten war, in seiner anschließenden Dankesrede Anerkennung. Stolze und strahlende Gesichter auf der Bühne – lang anhaltender Applaus aus dem Publikum. Welch außerordentliche Bereicherung, die Fähigkeiten unserer Schüler auch außerhalb des alltäglichen Unterrichts zu erleben!

(Jäckh)

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